Mittwoch, 19. Dezember 2012

Panokratie nach Tobi Blubb

Panokratie ist eine 1991 veröffentlichte Gesellschafts-Utopie von Tobi Blubb (Tobias Breiner). Das frei verfügbare Buch  beginnt mit einer rigorosen Gesellschaftskritik, dabei werden viele Themen umfangreich bearbeitet wie das dualistische Denken, Kritik an der Marktwirtschaft, den Massenmedien, Religionen, sowie das Bildungssystem. Zudem deckt er einige Mängel der deutschen Sprache auf und schlägt eine neue vor.

Einige Zentrale Elemente werden nun beschrieben, doch für ein tiefgreifenderes Verständnis ist die anschauliche Zusammenfassung von Falk Joensson in seinem ebenfalls frei verfügbaren Buch "Konstruktiver Utopismus" zu empfehlen. Falls danach noch Unklarheiten vorhanden sind, kann man sich an das Buch von Blubb wagen, es ist chaotisch jedoch in eine sehr interessanten Stil geschrieben.

Organischer Förderalismus


In einer Panokratie gibt es keine Nationen, Länder und Gemeinden mehr, dennoch ist die Gesellschaft in organische Einheiten unterteilt. Nach Blubb gibt es acht Ebenen: Moy, Poy, Fay, Sur, Hyper, Exo, Terra und Tjo, welche unterschiedliche Zwecke haben. So ist eine Moyzelle:
Eine Gruppe von Menschen, die aus freien Stücken zusammen leben und sich untereinander die meiste Zeit über sympathisch genug sind, um zum Nutzen aller beitragen zu wollen; klein genug für eine enge soziale Beziehung zu allen anderen Mitgliedern, und groß genug um Ausweichmöglichkeiten zu bieten falls es zu Problemen zwischen zwei Individuen kommen sollte.


  • Eine Poyzelle ist ein funktionaler und kultureller Verbund aus mehreren Moyzellen; klein genug, daß sich alle Mitglieder untereinander kennen und als Gemeinschaft fühlen, groß genug, um alle grundlegenden Bedürfnisse der Subsistenz und Kultur befriedigen zu können.



  • Fay: Ein Verbund aus mehreren Poyzellen, der alle Non-Tech-Güter einschließlich Luxusartikeln und alle Dienstleistungen einschließlich Bildung und Unterhaltung zu bieten in der Lage ist



  • Sur: Ein Verbund aus mehreren Fayzellen, der die Versorgung mit allen benötigten Low-Tech-Gütern gewährleistet



  • Hyper: Ein Verbund aus mehreren Surzellen, der die Versorgung mit allen benötigten High-Tech-Gütern sowie die akademische Wissenschaft gewährleistet



  • Exo: Ein Verbund aus mehreren Hyperzellen, um Großprojekte im Hochtechnologiebereich (zB Raumfahrt) durchzuführen und technologische Normen zu definieren.



  • Terra: Ein Verbund aus mehreren Exozellen mit dem Ziel, das Ökosystem des Planeten als Biosphäre zu schützen.


Tjo ist dabei die Gesamtheit aller panokratischen Zellen

Entscheidungsfindung


In der relativ überschaubaren Moyzelle sollte es möglich sein durch ausdiskutieren einen Konsens zu finden. Auf den höheren Ebenen werden Entscheidungen durch sogenannte Elementarentscheide getroffen, also direkte Demokratie.

Wirtschaft


Aufgrund der familiären Struktur der Moyzellen wird ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den einzelnen Mitmenschen angenommen. Normalerweise ist unter engen Freunden keine Marktwirtschaft anzutreffen sondern eine Schenkwirtschaft und da die Moyzelle Vorbildcharakter für die anderen Ebenen hat, sollen diese auch den Verhältnissen der Moyzelle folgen.

Privateigentum in heutiger Form, ist in der Panokratie nicht mehr anzutreffen. Dafür wird zwischen Individualeigentum und Gemeinschaftseigentum unterschieden. Unter Individualeigentum fallen persönliche Gegenstände, Kleider, Aufzeichnungen, Erinnerungsstücke usw. Gemeinschaftseigentum ist alles was von mehreren Menschen oft genutzt wird, wie Land, Maschinen & Werkzeuge.

Bildung


In der Panokratie wird niemand zum Lernen gezwungen, wie in den heutigen Schulsystemen. Man kann jedoch alle vier Monate einen Kompetenztest für gelernte Themen absolvieren. Dafür bekommt man Kompetenzscheine. Die Anzahl Kompetenzscheine bestimmen das Mitspracherecht auf den verschiedenen Ebenen. Das Moy-Recht ist ein Grundrecht, für Mitsprache auf der Poy-Ebene werden 50 Kompetenzen des Allgemeinwissen verlangt, für Fay Mitsprache werden 24 Handwerkliche Kompetenzen verlangt, usw. Eine ausführlichere Beispiel-Liste ist hier zu finden.

Kommentare:

  1. Auf jeden Fall eine kleine, nette Utopie.
    Allerdings halte ich das freiwillige Lernen grade bei Kindern eher für nicht durchführbar.
    Individual- und Gemeinschaftseigentum sind beides gute Ideen!

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  2. HauptschülerDiplom31. August 2013 um 23:54

    @lolla
    Muss ich Dir leider recht geben da geht es wohl ehr um den Übergang vom Spielen zum Lernen. Denke das ist wohl auch ehr eine Detail frage und übersteigt wohl auch den Sinn der kurzen zusammen fassung von Pano. ... hm Forum? :-(

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  3. Wieso sollte das freiwillige lernen nicht funktionieren? Kinder sind enorm Wissensgierig.
    Ein Forum gibt es noch nicht aber du kannst au Reddit diskutieren.
    http://www.reddit.com/r/Panokratie

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